Von Tyron Montgomery
Anmerkung: Die nachfolgenden Fotos wurden Verkaufs-Annoncen auf Land Rover Norway entnommen und sind vielfach zu klein, um gewisse Details gut erkennen zu lassen. Inzwischen habe ich ein paar weitere Fotos erhalten. Dieser Artikel wird daher demnächst überarbeitet.

Zunächst dachten wir, die norwegische Armee habe bereits in den 50er Jahren Landies eingesetzt, aber der Besitzer dieses Serie I erklärte, er habe seinem Zivilfahrzeug selbst das Tarnkleid verpasst... "for use in the Home Defence, where I am
stationed as Sergeant in a Jaeger Platoon". Mehr über "Home Defence" in Norwegen ganz unten.
1974 kaufte die norwegische Armee jedenfalls rund 1000 Land-Rover 109 Serie III FFR mit Hard-Tops. Diese Fahrzeuge waren allesamt fast identisch ausgestattet. Sie wurden ab Werk in oliv ausgeliefert, aber nur wenige verblieben in diesem Farbgewand – wie der Landy rechts mit den zwei norwegischen Soldatinnen ;-)

Auf diesem Bild erkennt man bereits ansatzweise zwei Besonderheiten der norwegischen Ausstattung: Schaufel mittig vorne oben auf dem Dach und Montage-Vorrichtungen auf dem Dach für Ski und ähnlich leichtes Equipment. Halterungen für eine Axt und eine Spitzhacke gab's im Innenraum.
Die meisten Land-Rover erhielten beim Militär den norwegischen 4-Farb-Tarnanstrich: Schwarz, oliv, hellgrün, hellbraun. Unter militärischen Gesichtspunkten ist dieser allerdings weniger wirkungsvoll als beispielsweise das britische Schwarz-Oliv, weil die Konturen des Fahrzeugs weniger verwischt werden. Auch die Scheiben im Hard-Top tragen zu einer leichteren Erkennbarkeit bei.

Auf dem linken Bild erkennt man – ebenfalls nur undeutlich – drei weitere Besonderheiten: Zusammenhängende Lampen-Gruppe (über dem Nummernschild), Kanister-Halter an der hinteren Tür und oben angebrachte Halterungen für Antennen. Zwei weitere Antennen-Füße befanden sich auf dem Dach (die meisten waren Funk-Fahrzeuge).
Zur Abschottung des Innen-Lichts nach außen waren sämtliche Fenster mit Vorhängen ausgestattet und es gab einen Vorhang zwischen Fahrerraum und hinterer Kabine. Gegen die Kälte norwegischer Winter halfen eine von innen regelbare Kühlergrill-Abdeckung, ein Anschluss für externe Motor-Vorheizung sowie eine Webasto-Standheizung.

Was bei den übrigen Armeen Europas überhaupt nicht zu finden ist, war bei den Norwegern recht ausgeprägt: Tarn-Beleuchtung. Zwei Hella-Tarnscheinwerfer vorne auf den Kotflügeln (siehe rechts), zwei hinten, zusätzliche Rücklichter mit sehr schwacher Leistung und ein Licht unter (!) dem Fahrzeug, das der Bodenbeleuchtung bei Kolonnenfahrten diente (für den folgenden Wagen).
Das rechte Foto zeigt auch eine Luke im Dach über dem Beifahrer-Sitz, die allerdings nicht bei allen Fahrzeugen vorhanden war. So hatte die Besatzung während der Fahrt einen erhöhten Ausguck konnte sich im Ernstfall rundum verteidigen.
Was sonst noch erwähnt werden kann:
- Infrarot-resistente Farbe
- 1 Ton Getriebe (stärker untersetzt als ziviles 3/4 Ton Getriebe)
- 2,25 Liter Benzin-Motor
- 2 Tanks unter den Sitzen wie bei der Britischen Armee
- 24V-Bordspannung FFR (fitted for radio)
- teilweise Ersatzrad im Innenraum hinter den Fahrersitzen
- Fahnen- und Lampenhalterungen auf der Fahrerseite
Der obige Artikel ist bewußt in der Vergangenheit verfasst. Die norwegische Armee hat die Landies in einem Schwung an die Zivilbevölkerung verkauft. Wer sich einen zulegen möchte, sollte mal die Website von Vestfold Ships & Industriservice a.s besuchen. Diese Firma hat als Händler damals die meisten Land-Rover aufgekauft. Sie kosten je nach Zustand um die 5000 Euro.
Zum Schluss – nur noch so als Info – etwas über die oben erwähnte "Home Defense":
Ähnlich wie in der Schweiz bekommen die Norweger nach ihrem Militär-Dienst ihre Uniform, Waffe und sogar Munition mit nach Hause. Zusätzliches Spezial-Gerät, wie etwa Nachtsicht-Geräte oder Maschinengewehre, sind in kleinen, verschlossenen Bunkern untergebracht, die über das ganze Land verteilt sind. So hat Norwegen quasi eine große, landesweit verstreute Reserve-Armee.
Der Verkauf sämtlicher Land-Rover durch die norwegische Armee war nicht nur eine normale Ausmusterung. Die Fahrzeuge wurden bewusst mit komplettem Zubehör (inkl. Tarnlicht) verkauft, damit sie zur Stärkung eben dieser "Volks-Armee" eingesetzt werden konnten. Trotzdem sind natürlich viele dieser Landies von ihren neuen Besitzern auf zivil umgerüstet worden.
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