Von Tyron Montgomery
zusammengestellt am 28.03.2003 (8ter Kriegstag)
zuletzt aktualisiert am 22.11.2003
Anmerkung: Der nachfolgende Kurz-Bericht soll weder das Kriegsgeschehen im Irak verherrlichen, noch sonstwie zu diesem Thema Stellung beziehen. Der nüchterne Fokus auf die in diesem Krieg eingesetzten Land-Rover soll auch nicht als Pietätlosigkeit oder Ignoranz mißverstanden werden. Über die politisch, wirtschaftlich und menschlich wichtigen Aspekte der Irak-Krise haben die Medien ausführlich berichtet. Ich habe die Fotos lediglich im Rahmen der Thematik dieser Website und aus rein informativen Gründen zusammengetragen und kommentiert.

Der Grundstein für den Irak-Krieg 2003 wurde am 2. August 1990 gelegt, als nämlich 300.000 irakische Soldaten in Kuweit einmarschierten. Dieser Übergriff gipfelte im Golf-Krieg (Operation "Desert Storm" bzw. "Granby"), an dem auch britische Soldaten beteiligt waren.
Damals kamen teilweise noch 109er zum Einsatz, die – genau wie die ursprünglichen Pink Panther Landies – nicht sandfarben, sondern rosa lackiert wurden. Im oft rötlichen Wüstensand hat diese Farbe tatsächlich eine gute Tarn-Wirkung.
Auch Land-Rover 101 wurden damals noch eingesetzt, wie hier als Ambulanzen.

2003 (Operation "Telic") waren die Briten nur noch mit Defendern Richtung Bagdad unterwegs, überwiegend als Aufklärer (Recce), aber auch bei den kämpfenden Bodentruppen.

Bei dem obigen Landy handelt es sich um einen Defender RDV (Rapid Deployment Vehicle), der in etwa seit dem Bosnien-Konflikt mit der abgebildeten Ausstattung eingesetzt wird: Metall-Kühlergrill, Lampen-Schutzgitter, Unterfahrschutz, seitlicher Luft-Filter, gewölbte Staufach-Klappen, Überroll-Käfig mit zentraler Waffen-Aufnahme und zusätzlicher Behälter für Ersatz-Kanister an der Heckklappe.
Bei der Verladung in Deutschland und England waren die britischen Fahrzeuge noch oliv...

Erst vor Ort wurden die Landies nach provisorischem Abkleben von Lampen, Scheiben etc. sandfarben gesprüht, inkl. Planen und – wie beim Militär und solchen Einsätzen üblich – ziemlich oberflächlich (auch an der abgenommenen Sankey-Plane vorne rechts deutlich zu sehen).

So nagten auch schon nach wenigen Einsatz-Tagen die Sandstürme an der Tarnfarbe (dieses Foto stammt noch von den Übungen in Kuweit, kurz vor Kriegs-Beginn).
Auf diesem Foto sieht man übrigens auch den Schnorchel der britischen Armee, der nicht am Scheibenrahmen befestigt werden muss.

Hier ein Landy mit einer Abschuss-Vorrichtung für Kleinraketen, die auch am Boden eingesetzt werden kann. Ebenfalls zu erkennen: Die am vorderen Türholm aufgerollte Tür aus einer Kunststoff-Plane.
Möglicherweise entspricht der Innenraum dieses Landys nicht der Standard-Version (man beachte den erhöhten Fußraum und das Sitz-Gestell).
Die Foto-Reihe macht trotz der verschiedenen Licht-Situationen und unterschiedlichen Bild-Quellen deutlich, dass die Briten keine einheitliche Sandfarbe verwenden. Sie reicht von ocker (ganz oben) bis fast gelb (letztes Foto). Als Farb-Referenz kann man sich an den Uniformen und Tarnnetzen orientieren. Ob dies gezielt nach Einsatz-Gebiet geschieht, ist unklar. Oft wird beim Militär einfach das zusammengemischt, was gerade verfügbar ist. In Afghanistan kamen sogar vereinzelt braune Landies zum Einsatz.

Zum Einsatz kamen neben den offenen, bewaffneten RDV auch herkömmliche Defender und Defender XD mit geschlossenem Hard- bzw. Softtop, überwiegend für allgemeine Zwecke in den als gesichert geltenden Gebieten, wie hier bei der Vorbeifahrt an zerstörten T55 Panzern in den Außenbezirken von Abu Al Khasib.

Neben Landies setzten die Briten im Irak übrigens auch zahlreiche Pinzgauer ein, wie auf diesem Foto aus Umm Qasr im Süden Iraks. Ursprünglich ein Produkt aus dem Hause Steyr-Puch in Österreich werden die Pinzgauer für die britische Armee heute in England von ATL gefertigt.

In Basra wurde das Eingangsportal des Präsidenten-Palastes am 7. April kurzerhand mit einem Land-Rover aufgerammt. Die lässige Haltung des Soldaten rechts sowie die ungedeckte Position des Kameramanns lassen aber eher auf eine Show für die Presse schließen, nachdem die Briten längst wussten, dass der Palast verlassen worden war.

Auch die Australier haben sich mit einem kleinen Kontingent am Krieg gegen den Irak beteiligt (Operation "Falconer"). Die australischen Landies (Lizenz-Bau) unterscheiden sich in vielen Details von den britischen. Ein absolutes Unikum ist die drei-achsige Variante, der sogenannte "Perentie".
Dieses Foto stammt allerdings aus Afghanistan. Von australischen Landies im Irak gibt es nur mageres Bildmaterial auf Videos (meist durch Nachtsicht-Geräte gefilmt).
Dirk Rüttgers hat uns im November 2003 freundlicherweise noch einen Zeitungs-Artikel aus dem Jane's Defence Weekly vom 17.09.2003 gescant. Auf dem Foto zu sehen: Auch gepanzerte Landies aus Nord-Irland wurden im Irak eingesetzt (hier bei der Verschiffung am 11.09.2003). Diese Fahrzeuge gehören im Normalfall zur Militär-Polizei. Welchem Zweck sie im Irak dienten, ist nicht bekannt.
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