von Tyron Montgomery
geschrieben im Juli 2002
zuletzt aktualisiert am 16. Juli 2003

Nach jahrelanger Durststrecke ist für Fahrer von Serie-Landies seit 2002 endlich wieder ein Overdrive auf dem Markt. Der kanadische Hersteller hat gegenüber den alten Overdrives der Briten diverse Verbesserungen entwickelt, die auf roverdrives.com ausführlich erläutert sind. Daher möchte ich an dieser Stelle nicht viel zur Technik sagen.

Dem Roverdrive liegt eine ausführliche und bebilderte Einbau-Anleitung bei und auf der Website gibt es inzwischen ebenfalls eine Bilderserie wie die nachfolgende. Meine Angaben sind daher eher als eine Ergänzung und ein Erfahrungsbericht zu verstehen.



Einbau des Roverdrives

Der Roverdrive wird hinten an das Getriebe angeflanscht, und zwar dort, wo auch die Kraft-Abnahme für mechanische Seilwinden montiert wird. Der Einbau beider Einrichtungen zusammen ist also leider nicht möglich.

Das Foto zeigt links neben dem Roverdrive die auszubauenden Teile: Flansch-Deckel mit Achslager auf der Innenseite, oberstes Zahnrad aus dem Getriebe und die Spezial-Mutter, die dieses Zahnrad fixiert.

Rechts zu sehen ist die Hülse, die statt des Zahnrads auf der Achse montiert wird, sowie die dazugehörige Mutter. Zum Festziehen dieser Mutter ist ein Drehmoment-Schlüssel und eine lange 27mm Nuss nötig (1 1/16 inch). Das angegebene Drehmoment von 100 lb feet entspricht ungefähr 135 Nm.

Für den Einbau muss zunächst der Batterie-Kasten vollständig ausgebaut werden (bei zivilen Landies der Staukasten unter dem Mittelsitz). Zusätzlich zum hinteren Flansch wird dann die obere Abdeckplatte des Getriebes entfernt. So kann die Spezial-Mutter gelöst und das Zahnrad ausgebaut werden. Diese Mutter kann übrigens auch ohne Spezial-Werkzeug mit einem Hammer und einem stabilen Schraubenzieher problemlos gelöst werden.

Auf das Ablassen des Getriebe-Öls, wie in der Anleitung empfohlen, habe ich verzichtet, da mein Öl noch relativ frisch war. Früher oder später wird der Roverdrive ja sowieso die schwarze Pampe zu spüren bekommen ;-)

Nach dem Einsetzen und fixieren der neuen Hülse wird das hintere Gehäuse des Roverdrives entfernt und das vordere Teil von hinten in den Flansch geschoben. Eine Dichtung wird natürlich mitgeliefert, genau wie eine neue für den oberen Getriebe-Deckel.

Bis die Zahnräder ineinander gleiten, muss man ein bisschen wackeln und probieren... dann soll der Roverdrive sich ohne nennenswerten Widerstand einführen lassen. Bei mir klappte das leider nicht, vermutlich aufgrund kleinster Toleranzen im Getriebe. Rocky Mountain empfiehlt in dem Fall, dem Fehler auf den Grund zu gehen, was im Zweifelsfall eine Getriebe-Überholung bedeuten würde – ohne Garantie darauf, dass es danach dann tatsächlich leichter geht.

Meine Lösung fiel daher etwas rudimentärer aus: Gummi-Hammer! ...aber immer schön sachte :-)  Zum Abschluss Getriebe-Deckel anschrauben, Overdrive-Gehäuse festschrauben und den Roverdrive mit einem halben Liter Getriebe-Öl befüllen.



Einbau des Schalt-Hebels

Der Roverdrive wird rein mechanisch hinzugeschaltet. Dafür wird rechts am Getriebe-Tunnel ein Schalt-Hebel montiert, der über ein Gestänge mit dem Overdrive verbunden wird. Die eigentliche Befestigung erfolgt dabei über den abgebildeten Metall-Winkel, der direkt an das Getriebe geschraubt wird. Dieser kommt möglicherweise mit einer Blech-Schraube in Konflikt. Man sollte die Schraube (wie empfohlen) kürzen, damit es nachher zu keinen Vibrationen am Getriebe-Tunnel kommt.

Der Winkel, in dem das Schalt-Gestänge nach hinten an den Roverdrive geführt wird, stimmt nicht ganz. Mit einem dicken Hammer lässt sich diese Toleranz schnell auf Null bringen :-)

Über eine Hülse mit zwei gegenläufigen Gewinden lässt sich die Länge der Stange anpassen, und damit der Winkel des Schalthebels im Fahrer-Raum. Es ist wichtig, dass der Hebel in der Null-Stellung so weit wie möglich nach hinten geneigt ist (mindestens senkrecht), da der Hebel-Weg sehr lang ist und nicht im Stand getestet werden kann.

Obwohl Rocky Mountain nach eigenen Angaben Links-Lenker berücksichtigt, kam es in meinem Fall zu einem Konflikt zwischen dem Roverdrive-Hebel und dem Schalthebel. Die Jungs waren sehr nett und bemüht, aber dennoch konnten meine E-Mails und die mitgeschickte Fotos nicht zur Klärung des Problems beitragen. Möglicherweise liegt es an den gebogenen Schalthebeln, die einen anderen Winkel als die geraden haben und mit denen Serie-Landies in Amerika ausgeliefert wurden.

Jedenfalls gab's nur eine Lösung: Pure Gewalt! Ich habe von der Beifahrer-Seite aus den Hebel mit aller Kraft an mich gezogen, bis er gerade Stand. Dabei verbog sich nicht nur der Hebel, sondern auch der Metallwinkel am Getriebe (Nachahmung auf eigenes Risiko). Aber jetzt passt's :-)

Rocky Mountains hat dieses Problem nach meinen eMails berücksichtigt. Nein, keinesfalls durch eine Konstruktions-Änderung, sondern durch den recht lapidaren Hinweis auf der Website, dass man möglicherweise den Roverdrive-Hebel etwas verbiegen müsse. Auch eine Lösung.

Für die Durchführung des Schalt-Hebels muss in den Getriebe-Tunnel mit einer Lochsäge ein 5 cm großes Loch gebohrt werden. Die Positionierung ist ein bisschen knifflig... Augenmaß und Tastsinn sind da schneller und einfacher als umständliches Ausmessen. Bei mir saß die erste Probe-Bohrung mit einem dünnen Bohrer dann auch gleich mittig über dem Montage-Gewinde.

Nach dem Einbau der Manschette und des Batterie-Kastens (gereinigt und mit neuer Dicht-Masse) ging's dann auf die Autobahn zur ersten Probefahrt...



Auf der Straße

Bisher bin ich erst etwa 2200 km Autobahn mit eingelegtem Roverdrive gefahren. Da kann man noch nicht viel über Langlebigkeit sagen. Diesen Bericht werde ich zwar im Laufe der Zeit ergänzen, allerdings bin ich vielleicht nicht der beste Test-Kandidat, denn ich bewege meinen Landy insgesamt recht wenig und überwiegend auf kurzen Strecken.

Mein Roverdrive hat von Anfang an ein ganz klein wenig Öl verloren, und zwar dort, wo das Schalt-Gestänge ansetzt. Wahrscheinlich wird es beim Einschalten (der Stift wird dann herausgezogen) aus dem Gehäuse gedrückt. Rocky Mountain hat mir sofort einen zusätzlichen Dichtring mit einer Skizze für den Einbau geschickt (wie bei allen Anfragen waren sie sehr hilfsbereit). Bisher bin ich aber noch nicht dazu gekommen, die Dichtung einzusetzen.

Die Bedienung ist etwas gewöhnungsbedürftig: Der Roverdrive rastet (wie im Handbuch beschrieben) erst ein, wenn man die Kupplung wieder langsam kommen lässt, da das Zusatz-Getriebe nicht synchronisiert ist. Durch den langen Schaltweg und die Montage auf der rechten Seite muss man sich beim Schalten relativ weit hinunter beugen. Kleine Leute sollten sich ein Periskop einbauen, damit sie in dieser Phase noch die Straße im Auge behalten können ;-) Das hört sich jetzt vielleicht übler an, als es ist. Nach ein paar Schaltvorgängen hat man sich daran gewöhnt.

Belohnt wird man durch drei Dinge: Ruhigeres Fahren (28% geringere Motor-Drehzahl), höhere End-Geschwindigkeit und geringerer Sprit-Verbrauch. In meinem Fall stieg die (subjektiv angenehme) Reise-Geschwindigkeit um 15 bis 20 km/h auf etwa 100 km/h an. Dazu ist anzumerken, dass mein Landy ohne Overdrive maximal etwa 90 km/h fährt, da er mit einem 1-Ton-Getriebe ausgestattet ist. Man hört auch von Serie Landies, die ohnehin 120 km/h fahren und es mit dem Roverdrive auf 150 km/h bringen.

Trotz der Tempo-Zunahme verringerte sich der Sprit-Verbrauch meines 2,25 Liter Benzin-Motors auf der Autobahn bei zugeschaltetem Roverdrive von 16 auf 13 Liter pro 100km (beides ungefähre Werte). Kleines Rechenbeispiel: Geht man von einem Drittel Autobahn-Nutzung aus, amortisieren sich die Kosten für den Roverdrive bei vergleichbaren Werten bereits nach 40.000 km.

In der Stadt bringt der Roverdrive freilich nichts. Er macht sich dann lediglich durch ein dezentes, zusätzliches Surren im Getriebe bemerkbar, das mir aber auch nur auf der allerersten Fahrt aufgefallen ist – keinesfalls zu vergleichen mit den alten Fairey-Overdrives und ihren pfeifenden Nadel-Lagern.

Mein persönliches Fazit: Höhere Geschwindigkeiten sind mit dem Roverdrive angenehmer und dröhnfreier zu fahren und und die Sprit-Einsparung ist natürlich ebenfalls ein angenehmer Effekt. Die Anschaffung hat sich in meinen Augen auf jeden Fall gelohnt! Jetzt machen auch längere Strecken wirklich Spaß.

Den Roverdrive habe ich noch direkt aus Kanada bezogen... ca. 1500,- Euro inkl. Versand, Importsteuer und Nebenkosten. Seit Anfang 2003 gibt's den Roverdrive allerdings auch in Europa... siehe Bezugsquellen.



Alternativen

Mittlerweile gibt's Konkurrenz: Nachdem die Amerikaner durch den Roverdrive aus Kanada gemerkt haben, dass für Serie-Overdrives tatsächlich ein Bedarf existiert, hat Rovers Down South in New Orleans wieder begonnen, die alten Fairey-Overdrives zu produzieren. Da dieser RDS Fairey-Overdrive baugleich mit den alten Originalen ist, können Besitzer eines alten Faireys auf neue Ersatzteile zurückgreifen.

Ob der RDS Fairey aber bei einer Neuanschaffung eine wirkliche Alternative darstellt, ist fraglich. Zum einen ist er teurer als der Roverdrive, zum anderen hat Rocky Mountain aus den Schwächen der Faireys gelernt und den Roverdrive insgesamt robuster, kompakter und moderner konstruiert, während der RDS Fairey einfach mit allen bekannten Mängeln neu aufgelegt wurde. Zwar liegen zum Roverdrive sicher noch keine flächendeckenden Langzeit-Ergebnisse vor, aber die baulichen Änderungen sind nachvollziehbar, gut durchdacht und berücksichtigen die seit Jahren bekannten Fairey-Probleme.

Mehr Infos zum RDS-Fairey findet Ihr ebenfalls in den Bezugsquellen.



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